Äsche und Kormoran

Äsche und Kormoran, ein unlösbarer Konflikt?

Die Äsche ist der Leitfisch einer ganzen Gewässerregion. Ursprünglich in Mitteleuropa in den meisten Oberläufen der Gewässersysteme verbreitet, haben die Äschenbestände bereits durch die Auswirkungen des bis in die 70er Jahre des 20.Jahrhunderts praktizierten Art des Wasserbaues stark gelitten. Als hochempfindlicher Kieslaicher mit hohen Ansprüchen an die Wasserqualität wurden durch die damalige Philosophie, anfallendes Oberflächenwasser möglichst schnell flussabwärts zu befördern, viele Laichgebiete zerstört. Intensive Landwirtschaft in den Flussauen und Abschwemmung von Sedimenten in die Flüsse haben zur Verschlammung früherer Kiesflächen geführt, sodass der Laich der Äschen sich nicht mehr entwickeln kann. Die meisten der noch vorhandenen Äschenbestände waren bereits Ende der achtziger Jahre stark gefährdet.

Hier tauchte der Kormoran verstärkt auch im Einzugsgebiet der kleineren Gewässersysteme im Binnenland auf. Vor dreisig Jahren wurde der Kormoran in die rote Liste der bedrohten Arten aufgenommen. Obwohl weltweit verbreitet und auch in Nordeuropa an den Küsten mit großen Kolonien vertreten, führte der völlige Schutz zu einem sprunghaften Anstieg der Populationen. Aufgrund der starken Vermehrung wurde der Kormoran wieder aus der roten Liste gelöscht.

In zunehmendem Maße überwinterten Kormorane im Binnenland. Eine Kolonie im Naturschutzgebiet Reiherteich bei Felsberg-Böddiger wuchs von wenigen Tieren in 1992 auf mehrere hundert Tiere im Winter 2002/2003. Als reiner Fischfresser benötigt ein Kormoran ca. 500 gramm Fisch pro Tag. Auch wenn aus Ornithologenkreisen teilweise versucht wird, den Nahrungsbedarf deutlich niedriger anzusetzen, haben neuesten Untersuchungen von Kormoranen im Lahn-Ohm-Gebiet diese Menge mehr als bestätigt.

Sicherlich frißt der Kormoran nicht selektiv spezielle Fischarten sondern nimmt die Beute, die mit dem geringsten Aufwand zu fangen ist.
Betrachtet man die Vielzahl der durch den Kiesabbau entstandenen fruchtbaren Teiche im Edertal und den Edersee mit den großen Weißfischbeständen kann man den Eindruck gewinnen, dass diese Gewässer in ihrer Gesamtheit hierdurch nicht wesentlich belastet werden. Übersehen wird dabei aber, dass die stehenden Gewässer wie auch im vergangenen Winter über viele Wochen zugefroren sind. Für die Kormorane besteht in dieser Zeit keine andere Möglichkeit als ihren Nahrungsbedarf in den wenigen offenen Fließgewässern zu decken. Und hier erwächst der ohnehin zweifelhafte Schutz einer Art zur alleinigen Ursache für die Ausrottung einer anderen Art - der Äsche -.

Während die Bestände anderer Arten noch durch Besatzmaßnahmen unterstützt werden können, ist dies bei der Äsche nahezu unmöglich. Die Nachzucht ist äusserst schwierig, ausreichende Mengen an Satzfischen kaum zu bekommen. Wie Untersuchungen nach dem letzten Winter zeigen, sind in weiten Teilen von Eder und Schwalm Fischbestände kaum noch nachweisbar. Die Fischereivereine geraten in zunehmendem Masse in den Konflikt, dass eigentlich notwendiger Besatz mit Jungfischen zur Unterstützung der natürlichen Population und ihrer Vermehrung zu einer sehr kostspieligen -Kormoranfütterung verkommt, ein Frühjahrsbesatz mit fangfähigen Fischen zwar noch Erfolg für den Angler verspricht, die Lebensfähigkeit der Fischbestände aber nicht fördert.

Bleibt der Schutz des Kormorans bestehen, werden in weiten Teilen der kleineren Fließgewässer überlebensfähige Fischbestände über Jahrzehnte nicht mehr wiederherzustellen sein.

Die Angelvereine aus Felsberg und Umgebung, die Pächter der Eder zwischen dem Wehr Wolfershausen und dem Wehr Altenburg sind, haben sich daher zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, um den Besatz der Eder zukünftig gemeinsam zu tätigen. Für zunächst drei Jahre wurde verstärkt mit einsömmrigen Äschen, Bachforellen, Nasen, Barben besetzt werden und unterstützt durch die Fischzucht Rameil, die auch die Setzlinge im Ederwassser aufzieht, auch der Erfolg dokumentiert werden. Flankiert durch verschiedene Massnahmen erhoffen sich die Vereine, überlebensfähige Fischbestände erhalten zu können.

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